Fragt man Zagreber nach den Wahrzeichen ihrer Stadt, werden die meisten unweigerlich die Standseilbahn «Uspinjača» erwähnen. Und tatsächlich ist diese Standseilbahn in Zagreb mehr als nur ein Transportmittel: Sie ist ein Symbol der Stadt, eine Touristenattraktion, gleichzeitig auch die Verbindung zweier Welten, der Unter- und der Oberstadt.

Weniger bekannt ist hingegen, dass diese Form des öffentlichen Verkehrs an vielen Orten auf der Welt existiert: In Los Angeles, Bournemouth in Grossbritannien, Haifa in Israel, Istanbul, Odessa und natürlich in Zürich – dort gleich mehrfach.

Die Geschichte dieser Standseilbahnen ist interessant, denn sie erstreckt sich oft über Jahrhunderte; dadurch werden diese einzigartigen Fahrzeuge zu nostalgischen Zeugen von Zeit und Wandel.

Die Standseilbahn in Zagreb

Die einzige Zagreber Standseilbahn wurde am 8. Oktober 1890 in der damaligen Bregovita-Strasse (heute Tomić-Strasse, benannt nach dem kroatischen Dramatiker Josip Eugen Tomić) in Betrieb genommen. Als Initiator des Baus wird der Unternehmer D. W. Klein aus Osijek genannt. Auf die Idee zum Bau einer Standseilbahn kam Klein, nachdem er Passanten gezählt hatte, welche die 165 Treppen zwischen Zagrebs Ober- und Unterstadt auf- und absteigen mussten. Er kam zum Schluss, dass der Bau einer Standseilbahn, ähnlich wie damals in Budapest, eine lohnende Investition sein könnte.

Die Realität sah jedoch oft anders aus. Die Standseilbahn wechselte regelmässig den Besitzer, zumeist mangels Rendite. Interessant ist, dass einer der Spitznamen des neuen Zagreber Wunders, «Zapinjača» (etwa: «Stockende Bahn»), von ständigen Pannen und Verzögerungen herrührt.

Im März 1934 wurde die Dampfmaschine nach einem verschleissbedingten Totalausfall durch einen Elektromotor ersetzt. Dieser erwies sich als eine sehr hochwertige Lösung – Lärm und Schadstoff-Ausstoss wurden reduziert, das Fahren wurde komfortabler, schneller und sicherer. So wurde die Standseilbahn sogar vor den Zagreber Strassenbahnen elektrifiziert.

Mitte des 20. Jahrhunderts machte die Standseilbahn bis zu 55‘000 Fahrten pro Jahr. Ihre bisher grösste und gründlichste Renovierung dauerte von 1969 bis 1974, bei der dieses Kulturdenkmal unter Berücksichtigung der ursprünglichen Architektur beinahe vollständig erneuert wurde. Dank einiger weiterer Renovierungen und Modernisierungen ist die Standseilbahn noch heute, 131 Jahre nach der ersten Fahrt, ein beliebtes Verkehrsmittel und eine Zagreber Attraktion, auf die man nicht verzichten darf.

Technische Daten:

  • Streckenlänge: 66 m
  • Höhendifferenz: 30.5 m
  • Steigung: 52%
  • Fahrtdauer: 64 s
  • Kapazität pro Waggon: 28 Personen, davon 16 Sitz- und 12 Stehplätze

Standseilbahnen in Zürich

Seilbahn Rigiblick

Die Seilbahn Rigiblick befindet sich im Nordosten von Zürich. Grether & Cie. beantragte 1893 die Genehmigung für den Bau einer Tramlinie mit dem Ziel, die Stadtgebiete Oberstrass und Zürichberg als Naherholungsgebiete der Stadt zu fördern. Anstelle der Tramlinie wurde das Projekt, nur 8 Jahre später, am 4. April 1901 mit dem Start der «Seilbahn Rigiviertel» realisiert. Diese verband die Universitätstrasse und den Rigiblick am Zürichberg. Bereits im ersten Jahr beförderte die Standseilbahn 95‘000 Fahrgäste.

Etwa 50 Jahre später wurden die alten Holzwagen der Standseilbahn durch metallene, rot lackierte Wagen ersetzt; 1978 erhielt die Standseilbahn anlässlich einer gründlichen Renovierung die für Zürich typischen blau-weissen Waggons.

In den 120 Jahren ihres Bestehens wurde die Rigiblick-Seilbahn mehrfach modernisiert; heute ist sie eine vollautomatische, sichere und moderne Seilbahn mit bis zu 600‘000 Fahrgästen pro Jahr.

Technische Daten:

  • Streckenlänge: 385 m
  • Höhendifferenz: 94 m
  • Steigung: 25-36%
  • Fahrtdauer: 2 min (ohne Zwischenhalt)
  • Kapazität pro Waggon: 30 Personen

Polybahn

Nach jahrelangen Vorbereitungen – sogar ein Holzmodell im Massstab 1:1 wurde dafür gebaut! – nahm 1889 die Zürichbergbahn (wie die Polybahn damals hiess) ihren Betrieb auf.

Ihre Geschichte erinnert ein wenig an die Standseilbahn von Zagreb. Sie wechselte nämlich im 20. Jahrhundert mehrmals den Besitzer und stand mehrmals am Rande des finanziellen Ruins. Im Jahr 1976 wollte die Stadtbehörde die Bahn sogar schliessen. In letzter Minute stellte die Schweizerische Bankgesellschaft (heute UBS AG) Mittel für den Wiederaufbau zur Verfügung, so dass sie nach der Modernisierung weiter betrieben werden konnte.

Die Polybahn (im Volksmund auch liebevoll «Polybähnli» oder «Studenten-Express» genannt) ist eine der interessanteren Touristenattraktionen in Zürich. Sie wird jährlich von 2 Millionen Passagieren genutzt. Die Fahrt mit der Polybahn ist ein einzigartiges Erlebnis, das einen Blick auf die Kultur und Tradition der Stadt erlaubt.

Technische Daten:

  • Streckenlänge: 176 m
  • Höhendifferenz: 41 m
  • Steigung: 24%
  • Fahrtdauer: 1 min 40 s
  • Kapazität pro Waggon: 50 Personen

Everaoh.com, UBS, VBZ, Stadt-Zuerich.ch, Polybahn.ch

Quelle: Libra 50

Text: Kora Zorman

Übersetzung ins Deutsche: Andreas Zorman

Bilder: Tom Zorman, Die Zagreber Standseilbahn und Sofia Foglar, Die Seilbahn Rigiblick in Zürich