In verschiedenen Religionen werden Brücken als Symbole des Übergangs vom Diesseits ins Jenseits, vom Irdischen zum Himmlischen betrachtet. Regenbogen können ebenfalls als Brücken zwischen Erde und Himmel verstanden werden. Etwas prosaischer bedeutet eine Brücke auch eine Verbindung zweier Seiten oder die Überwindung eines Hindernisses. Auch während der Planungs- und Bauphasen der Pelješac-Brücke, von ersten Ideen bis zur Inbetriebnahme, gab es zahlreiche Herausforderungen und Hindernisse zu überwinden.

Diese Brücke gehört zu den grössten und ästhetischsten ihrer Art in Europa. Dadurch wurde sie zum neuen Symbol des modernen Kroatiens. Sie verbindet den Norden des Landes mit dessen Süden. Wer nämlich früher von Split nach Dubrovnik reiste, musste die Grenze zu Bosnien-Herzegowina im Korridor von Neum zwei Mal passieren. Diese EU-Aussengrenze erwies sich als eines der grössten Hindernisse für Kroatiens geplanten EU-Beitritt. Deswegen wurde eine Lösung für eine Verbindung auf kroatischem Boden gesucht. Die Option eines Tunnels unter dem Meer wurde aus verschiedenen Gründen verworfen.

Für die Linienführung der Brücke gab es besondere Auflagen: Sie durfte nur über kroatische Gewässer geführt werden, zugleich musste sie hoch genug sein, damit grössere Schiffe das bosnische Neum ansteuern können. Da sich erst in einer Tiefe von etwa 80 m unter dem Meeresboden stabiler Fels befindet, mussten die Brückenfundamente auf 120 m langen, in den Meeresgrund eingerammten Stahlpfählen verankert werden. Zudem liegt die Brücke in einer Region, die regelmässig von Stürmen und Erdbeben heimgesucht wird, weshalb ihrer Stabilität unter extremen Windlasten und seismischen Stössen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden musste. Nicht zuletzt durfte das auf sauberes Wasser angewiesene Naturreservat in der Bucht von Mali Ston und die dort angesiedelte Austernzucht durch den Bau keinesfalls gefährdet werden.

Infolge der hohen Komplexität wird dieses Brückenprojekt heutzutage als eines der anspruchsvollsten in Europa betrachtet.

Die Pelješac-Brücke ist eine Extradosed-Brücke; mit diesem Ausdruck wird eine neuartige Konstruktionsweise von Spannbetonbrücken bezeichnet, bei der die Spannseile flach geneigt über niedrige Pylone geführt werden. Diese Bauweise kombiniert das Tragverhalten von Schrägseil- und Balkenbrücken.

Nach einer Bauzeit von beinahe zehn Jahren, die aus verschiedenen Gründen durch einen Baustopp von fast acht Jahren unterbrochen war – konnte die Pelješac-Brücke im Juli 2022 eröffnet werden. Ende gut, alles gut!

….und schwebt die imposante Brücke zu Pelješac stolz wie eine Möwe… – aus dem Song von Oliver Dragojević:

„... Ach wie schön, wie schön ist es
auf dem trockenen Sandstrand zu liegen,         
am vereinsamten Meeresufer
dich über den Seespiegel zu betrachten....
Aaa aaaaaa, meine Möwe!
Dich betrachten, mit dir zu fliegen
und dabei keine Angst zu haben
jedem Wind und Sturm zu trotzen
was alles schaukelnd weiterrollt .....
Aaa aaaaaa, meine Möwe!"

Die Sunnibergbrücke

Text: Suzana Čufer

Übersetzung ins Kroatische: Vesna Soko

Quelle: Libra 52